(Eine Tour nah in die Heimat von Claus)
2014 haben wir die erste derartige Exkursion gemacht, da ist also 2021 schon die Nummer 8 !
Und ich habe noch Ideen für die nächsten 10-15 Jahre. Unser Gebiet rund um Dresden ist so ergiebig…
Ich freue mich jedesmal, wenn ich unseren Klub- und Bergkameraden und Gästen ein Stück Heimat zeigen kann, was nicht so bekannt aber trotzdem ungemein interessant ist. So auch dieses Jahr mit der Exkursion von Nieschütz über Radewitz nach Seußlitz, über die Elbe nach Niederlommatzsch auf den Göhrischberg und am Ende nach Niedermuschütz.
Am Morgen des 07.11.2021, einem Sonntag obwohl den ganzen Tag die Sonne fehlte, trafen sich insgesamt 16 Teilnehmer (15 Alte und Nele) in Meißen, um mit dem Bus nach Nieschütz zu fahren.
Nieschütz ist bekannt für seinen Spargel, da sah man auch noch das Spargelgrün stehen.
Aber genau hier läuft die Lausitzer Überschiebung, als Westlausitzer Störung bezeichnet, entlang. Im Gelände zeigt sich das in Geländestufen und Ganggesteinen. Bei Nieschütz befindet sich auch mit der „Rauen Furt“ ein seit Urzeiten genutzter Übergang über die Elbe. Der ehemals im Fluss befindliche Fels wurde aber Ende des 19. Jahrhunderts für die Schifffahrt beseitigt.
Geologisch weiter interessant sind die Ablagerungen des Buntsandsteines, der ist mit 240 Mio Jahren annähernd 3mal älter als das Elbi.
Als historische Anekdote ist zu vermerken, dass das Lied vom „Vogelbeerbaum“ im benachbarten Forsthaus Golk von Förster Max Schreyer um 1880 kreiert wurde.
Wir laufen auf dem Elbradweg weiter bis zum Weingut Jan Ulrich. Von hier hat man einen schönen Blick auf den Steinbruch „Böser Bruder“. Das Gestein heißt Biotitgranit ( 330 bis 350 Mia a) und wurde entlang der Elbe in zahlreichen weiteren Steinbrüchen (bis zu 25) abgebaut. Der Abbau war so erfolgreich, dass ein Steinbruch als „Alte Million“ und daneben ein weiterer als „Neue Million“ bezeichnet wurden.
Wer den Steinbruch vor uns genau betrachtet sieht eine Auflagerung von Lößlehm (teils mehrere Meter dick). Der Löß stammt aus der Eiszeit (Pleistozän), ist als Boden für die Landwirtschaft hervorragend geeignet und gab der Gegend um Lommatzsch den Namen „Lommatzscher Pflege“.
Auf der anderen Elbseite steht der Göhrischberg, markant auch hier der sichtbare Fels aus dem Steinbruchbetrieb. Der Biotitgranit wird hier von 2 Störungszonen aus dem jüngeren Quarzporphyr (ca. 300 bis 260 Mio a) durchzogen.
Und dann gibt es noch die 4 bronzezeitlichen Wallburgen (Löbsal, südlich Löbsal, Goldkuppe und Göhrischberg), die vermutlich schon 1800 vor Christus den Elbübergang sicherten. Verbindungen zu Gegenden im heutigen Griechenland sind nachgewiesen, so dass man auch schon vom „Mykene an der Elbe“ sprach.
Auf dem Elbradweg bei Seußlitz, Blick zum Steinbruch „Böser Bruder“, Lößlehm auflagernd
Wir wandern jetzt im NSG „Seußlitzer Grund“ zunächst durchs Bohntal und dann durchs Brummochsenloch nach Radewitz. Hier kenne ich 2 überdachte Rastplätze. Eine Pause ist dringend angebracht – schließlich ist es auch eine alkoholische Exkursion. Die Kocher sind schnell betriebsbereit, Glühwein fließt, Bierflaschen werden entkorkt. Auf dem Weg von der Elbe nach Radewitz überholte uns mehrfach ein Radfahrer, immer hoch und runter auf den Wegen.
(Geologisch-) Alkoholische Exkursion
Weiter geht es jetzt zur Goldkuppe, einer der größten Wallanlagen. Den heutigen Weg hat man in den alten Wall eingeschnitten. Auch heute noch ist dieser alte Wall beeindruckend.
Früher soll der Wall bis 18 m hoch gewesen sein mit einer Länge von ca. 2 km. Die Wallburg selber soll sich über ca. 1 Kilometer ausgedehnt haben. Wir wandern über die Goldkuppe mit schöner Aussicht auf die Elbschleife. Auf der Goldkuppe wird viel Wein angebaut.
Exkursionsgebiet Goldkuppe, die große Elbschleife mit Nieschütz, der rauen Furt und dem Göhrischberg (rechts)
Als es gerade zu regnen anfängt, erreichen wir glücklich die Heinrichsburg und können uns unterstellen. Unnötig zu erwähnen, dass die Kocher sofort herausgeholt wurden. Der Regen wird mit einer Pause abgewartet.
Schloss Seußlitz mit Park (Baumeister George Bähr), dahinter die Luisenburg, ganz links Schloss Neuhirschstein
Die Heinrichsburg ist benannt nach Heinrich von Bünau, dem auch das Seußlitzer Schloss ehemals gehörte. Beide Bauten wurden von Baumeister George Bähr (Frauenkirche in Dresden) errichtet.
Nachdem der Regen aufgehört hat, laufen wir durch den Schlosspark. Die Sandsteinfiguren an der Terrasse (4 Jahreszeiten) stammen von B. Permoser (wie die Figuren im Dresdner Zwinger). Leider sind die Wandfelder mit Delfter Kacheln nicht mehr vorhanden.
Wer hier mehr sehen möchte: An der Kirche befinden sich sehr alte und interessante Grabsteine und auch der Seußlitzer Grund ist eine schöne Wanderung wert.
Aber wir queren die Straße und gehen zur Elbfähre. Die Überfahrt gelingt problemlos, der Fährmann bekommt für seine Mittagspause noch ein Bier spendiert.
Von der Fähre sieht man nordwärts die Chemieanlagen der Wacker Chemie in Nünchritz, linkselbig steht das Schloss Neuhirschstein aus dem 17/18. Jahrhundert prominent auf einer Felskuppe.
In Niederlommatzsch geht’s an der Hebelei (kleiner privater Tierpark) vorbei und schnell an dem heute stattfindenden Bauernmarkt durch.
Wir kommen an einem Feld raus. Hier schwärmen wir aus und suchen … Feuersteine.
Es dauert auch gar nicht lange und schon finden wir die Flinte. Bei den Feuersteinen handelt es sich um eiszeitliche Ablagerungen. An der Verbreitung der Feuersteine kann man auch erkennen, wieweit sich in der Eiszeit die nordischen Gletscher ins Land geschoben haben. Die südlichste Verbreitung der Flinte wird daher als Feuersteinlinie bezeichnet. Die von uns gefundenen Feuersteine sollen nach den Erkenntnissen der Geologen von der Elsterkaltzeit stammen (ca. 400 -320 Ta). Danach kamen noch die Saale-Kaltzeit und die Weichselkaltzeit (auch Würm genannt). Die späteren Kaltzeiten schoben ihre Gletscher aber nicht so weit südlich. (In Bad Schandau steht eine Eiszeitstele, die einen südlichen Punkt der Feuersteinlinie markiert.) In der Nähe grüßt als bewaldete Kuppe der Eckardsberg, das ist nach neuen Erkenntnissen ein Endmoränenwall.
Feuersteine auf einem Feld bei Niederlommatzsch – Zeugen der Eiszeit, im Hintergrund die bewaldete Kuppe- der Eckardsberg
Wir wollen jetzt auf den Göhrischberg wandern. Auch hier schneidet der neu angelegte Zugang den
alten Wall. Die Wallburg hatte ehemals eine Größe von 200 x 250 m² mit einem 12 m hohem Wall. Der Wall ist immer noch nach fast 3.500 Jahren gut im Gelände zu erkennen.
Wir gehen (Vorsicht!) bis zur oberen Steinbruchkante und blicken über die Elbe.
Direkt an der Kante wachsen Opuntien. Das ist nach meiner Kenntnis, die einzige Stelle mit frei in der Natur wachsenden Feigenkakteen in Sachsen.
Blick vom Göhrisch über die Elbe nach Seußlitz, im Vordergrund eine Opuntie freiwachsend
Beim Abstieg vom Göhrischberg wird nochmal eine ausgiebige Rast auf einer Wiese vor dem Wall gemacht. Denn: den Alkohol darf man nicht vergessen, es ist schließlich November und das Wetter ist für Glühwein ausgezeichnet geeignet.
Weiter geht es jetzt um den Göhrischberg herum. Zunächst am Göhrischgut vorbei, dann führt der teils verwachsene Weg entlang zwischen Elbe und Steinbruch.
Die Überraschung auf dem Weg sind eine Menge Opuntien, die hier auf dem kargen Fels wachsen und auch Früchte zeigen. Wer die wohl angepflanzt oder ausgepflanzt(?) hat. Diese Kakteen behaupten sich auch in unserem Klima, wie ihre Verbreitung bis zur oberen Steinbruchkante zeigt.
Opuntien im aufgelassenen Steinbruch am Fuß vom Göhrischberg
Aber wir sind auf einer geologischen Exkursion. Der Biotitgranit des Steinbruchs ist gut aufgeschlossen. Links im Steinbruch ist die Störungszone aus Quarzporphyr zu erkennen.
Bemerkenswert sind mehrere Bohrhaken in der steilen Steinbruchwand. Das zieht unsere Kletterer an. Ich habe trotz intensiver Recherche noch nichts über Kletterversuche am Göhrisch rausbekommen.
Eventuell kann sich Claus bei den Locals umhören?
Wir laufen an der Alten Schmiede vorbei und kommen wieder auf den Elbradweg.
Den wandern wir jetzt nach links. Dabei durchqueren wir die Anlagen der Baumschule und Gärtnerei „Stauden-Ihm“, ein bekannter Name in Dresden.
In der Elbaue laufen wir bis zum nächsten Dorf Niedermuschütz.
Hier steht nochmal ein Tisch mit Bänken. Die letzte (jetzt vierte) Rast wird gemacht.
Ich frag nach den gewanderten Kilometern, da einige ihr GPS-Tracking angeschaltet hatten.
Irgendwas zwischen 11 bis 13 km werden genannt. Die genaue Zahl ist doch egal.
Der Tag war gut ausgefüllt. Mit dem Bus gegen halb 4 fahren wir zurück nach Meißen.
Mein letzter Hinweis im Bus bezieht sich auf die dicken Auflagerungen aus Buntsandstein im Steinbruch bei Zadel.
Von einigen Bergfreunden bekam ich zu hören, dass sie hier noch nie waren und eine neue Gegend kennengelernt haben. Beeindruckt waren viele von den Wällen um die bronzezeitlichen Anlagen und von den Opuntien um Freien.
Auf ein Neues in 2022!

Letzte Rast kurz vor Niedermuschütz
Bericht: Wolfram mit Fotos von Jule und Claus (Danke für die Fotos)